Meister Dogen, der Gründer der japanischen Soto-Zen Schule wurde im Jahr 1200, in Kyoto, geboren. Meister Dogen kam in einer politisch unruhigen Zeit zur Welt, und verlor bereits mit zwei Jahren seinen Vater. Seine Mutter verstarb ebenfalls früh - nur fünf Jahre nach dem Tod seines Vaters.
So war Dogen bereits in seiner Jugend auf sich alleine gestellt, und entwickelte einen starken Willen Klarheit über Leben und Tod zu erlangen. Schon mit zwölf Jahren beschloss Dogen buddhistischer Mönch in einem Tendai-Tempel auf dem Berg Hiei zu werden. Er war in seiner Jugend bereits sehr intelligent, und entwickelte in nur kurzer Zeit ein grundlegendes, intellektuelles Verständnis der buddhistischen Sutren. Eine Frage quälte ihn jedoch sehr, und so fragte er seine damaligen Lehrer, "Wenn alle Lebewesen bereits die Buddha-Natur haben, wieso müssen wir uns dann überhaupt in der Lehre Buddhas schulen?" Leider konnte keiner seiner Lehrer die Frage beantworten, und so beschloss Dogen den Tempel zu verlassen, um eine Antwort zu finden.
Meister Dogen hörte während seiner Pilgerreise von Meister Eizai und machte sich sofort auf den Weg zu Eizais Tempel. Als Dogen Meister Eizai die selbe Frage wie seinen Tendai-Lehrern stellte, antwortete dieser, "Ich weiss nicht, ob die Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wirklich existieren, aber ich weiss, dass es Katzen und weise Ochsen gibt." Dogen war sehr von dieser konkreten, einfachen Antwort überrascht, und wurde so kurz darauf Eizais Schüler. Dieser verstarb jedoch bereits kurze Zeit später. So fasste Meister Dogen den Entschluss mit Eizais Nachfolger, Meister Myozen nach China zu gehen um dort Zen zu studieren.
In China angekommen pilgerte er mit Meister Myozen von Tempel zu Tempel. Als Dogen in einem Tempel auf dem Berg Tsien Tung übte, traf er einen bereits in die Jahre gekommenen Tenzo (Tempel-Koch), der gegenüber der großen Zazen-Halle Pilze trocknete. Dies verwunderte Dogen, da der Mönch bereits sehr alt war, und - da es an diesem Tag sehr warm war - offensichtlich große Mühe bei der Arbeit hatte. So fragte Dogen diesen, warum er denn nicht einen anderen, jüngeren Mönch diese schwere Arbeit verrichten lässt. Der Tenzo antwortete sogleich, "andere Leute sind nicht ich". Dogen war tief beeindruckt von der Antwort des Tenzos und lobte dessen vorbildliche Einstellung, wollte jedoch wissen, wieso er die Arbeit jetzt in dieser Hitze verrichtete, anstatt bis zum Abend zu warten. Der Mönch antwortete "jetzt ist die einzige Zeit zu wirken." Dogen berührten diese Worte sehr, noch nie hatte er einen Mönch getroffen der seine alltägliche Arbeit - hier und jetzt - derart wichtig nahm. Jedoch konnte Dogen den tiefen Sinn der Worte des Tenzos noch nicht ganz verstehen.
Immernoch auf der Suche nach einen wirklichen Zen-Meister, pilgerte Dogen weiter durch China - konnte aber keinen wahren Lehrer finden. Die meisten, so schreibt Dogen, waren vielmehr mit Ruhm und einer guten Position in den Tempeln beschäftigt, als mit der Zen-Praxis. So beschloss Dogen wieder aus China abzureisen, und nach Japan zurückzukehren.
Kurz vor seiner Abreise traf er jedoch zufällig am Hafen auf einen alten Mönch. Dieser arbeitete als Tenzo im Tempel des ehrwürdigen Meisters Tendo Nyojo. Dogen stellte fest, dass es wieder ein Mönch war, dem seine alltägliche Arbeit als Tenzo sehr wichtig zu sein schien. So lud er den Mönch zum Abendbrot ein, um mit ihm über Zen zu reden und mehr über den Mönch und seinen Meister zu erfahren. Der alte Tenzo lehnte das freundliche Angebot jedoch ab, da er dringend zum Tempel zurückmüsse um das Essen für die Mönche vorzubereiten.
Dogen fragte den Tenzo, ob das denn nicht jemand anderes im Tempel an seiner Stelle tun könne, da es doch viel wichtiger sei, mit ihm jetzt über die Buddhalehre zu sprechen, als das Essen für die Mönche vorzubereiten. Der Mönch lehnte jedoch mit der Begründung ab, dass ihm das Werk des Tenzo sehr wichtig sei, und er es deshalb selbst tun müsse. Daraufhin ermahnte Dogen den Mönch, er solle sich wegen seines hohen Alters besser dem Studium des Zen widmen, anstatt seine kostbare Zeit mit dem Werk eines einfachen Tempelkochs zu verschwenden.
Der Tenzo antwortete lachend: "Mein lieber Freund, du hast keine Ahnung was wahres Zenpraxis ist." Dogen war von dieser Antwort verwirrt, und fragte den Mönch, was denn wahre Zenpraxis sei. Der Tenzo antwortete "wenn du nach dem Kern des Zen fragst, so liegt hierin bereits die wahre Zenpraxis."
Diese Antwort beeindruckte Dogen so sehr, dass er beschloss doch nicht abzureisen, sondern den Tempel aufzusuchen, in dem der Tenzo tätig war. Als er dort ankam, hatte er eine weitere Unterhaltung mit dem Tenzo.
Dogen fragte diesen wieder nach dem wahren Zen, worauf der Mönch antwortete, "was auch immer dir begegnet." In dem Moment verstand Dogen den wahren Sinn der Buddhalehre, und begann unter dem Meister des Tenzos - Meister Tendo Nyojo - zu praktizieren.
Meister Nyojo lehrte Dogen vor allem die Einheit von Praxis und Erwachen, wie Nyojo es ausdrückte - shinjin datsuraku, Körper und Geist fallenlassen, sowie Shikantaza - einfach nur sitzen. Nyojo lehrte, dass wir nicht nach Erleuchtung suchen, sondern einfach nur Zazen praktizieren ml;ssen. Er lehrte Dogen, dass Zazen die Essenz des Zen ist.
So wurde Meister Dogen Tendo Nyojos Nachfolger, und verbreitete daraufhin die Lehre des Soto-Zen nach seiner Rückkehr aus China in ganz Japan. Er legte wie sein Meister besonderen Wert auf die Praxis, darauf, dass Praxis und Erwachen nicht getrennt voneinander, sondern eins sind. Dogen gründete die erste Zazen-Halle in Japan, und lehrte sowohl Mönche wie auch Laien die Praxis des Zazen - wie er sie von Meister Nyojo gelernt hatte. Als Dogen in Japan gefragt wurde, was er aus China mitgebracht hat, sagte Dogen, "Ich kam mit leeren Händen zurück. Ich darf aber wohl sagen - ich habe einen weichen, geschmeidigen Geist mitgebracht. Dies ist die Essenz des Zen."
Später verfasste Meister Dogen viele bedeutende Werke über Zen, darunter das Fukan Zazengi, das Shobogenzo, das Eihei Shingi sowie das Eihei Koroku. Später gründete er den Tempel Eiheiji, "Tempel des ewigen Friedens" und verstarb 1253 in Kyoto.