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Jijuyu-zanmai

(26. September 2004)

Vorwort des Übersetzers

Die Schrift Jijuyu-zanmai von Menzan Zuiho Osho (1682-1769) befasst sich überwiegend mit der Zazen-Praxis. Im Gegensatz zu vielen anderen Schriften über Zazen handelt es sich beim Jijuyu-zanmai jedoch nicht um eine Meditationsanleitung im üblichen Sinne. Menzan schreibt nichts darüber, wie wir die Zazen-Haltung einnehmen und unseren Atem regeln sollen etc.
Vielmehr geht der Autor auf die Essenz des Zazen, jijuyu-zanmai ein. Was aber ist dieses jijuyu-zanmai? Es gibt die verschiedensten Übersetzungen und Auslegungen dieses Begriffes wie "das Selbst das sich Selbst erschafft und erfährt", "der Samadhi des Selbst" etc. Letztendlich verweisen diese Begriffe alle auf Zazen. So ist jijuyu-zanmai nichts anderes, als der Normalzustand von Körper und Geist, der sich in Zazen einstellt.
Meister Menzan gibt uns in seiner Schrift einige sehr treffende Anweisungen wie wir Zazen praktizieren sollten. Er weisst uns auch deutlich darauf hin, was das überlieferte jijuyu-zanmai, das überlieferte Zazen, nicht ist.
Neben den praktischen Anweisungen geht Menzan aber ebenso tiefgehend auf die Gesinnung ein, die hinter der Zazen-Praxis stehen sollte. Mit was für einer Einstellung sollen wir üben, und wie haben dies unsere Dharma-Vorfahren gehandhabt?

Eine englische Übersetzung des Jijuyu-zanmai wurde bereits von der japanischen Sotoshu Shumucho veröffentlicht. Um die Schrift auch bei uns einem größeren Kreis zugänglich zu machen, habe ich mich entschlossen, diese aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen.
Vielen Dank an dieser Stelle an die Sotoshu Shumucho, für die freundliche Genehmigung den Text übersetzen und veröffentlichen zu dürfen.
Im Original hat Meister Menzan seinem eigenen Text im Anhang noch verschiedene Auszüge aus Dogens Schriften zum Thema Zazen hinzugefügt. Da diese bereits in deutsch verfügbar sind, habe ich mir erlaubt, diese nicht zu übersetzen.
Das Jijuyu-zanmai enthält viele buddhistische Begriffe und Anspielungen auf verschiedene buddhistische Anekdoten, daher ist ein ein entsprechendes Grundwissen für das Verständnis des Textes von Vorteil.

Marco Mayer, Dogen-Zen.de
September 2004



Vorwort von Meister Menzan

Ein alter Meister sagte, "Die wörtliche Bedeutung des Namens Vairocana ist das alles-erleuchtende Licht. Dies hat zwei Bedeutungen. Eine davon ist, dass der Tathagata innerlich die wahre Dharma-Welt mit dem Licht der Weisheit erleuchtet. Diese Bedeutung basiert auf dem Konzept und der Wirkung von jijuyu, der Freude an den unmittelbaren Verdiensten der eigenen Übung. Die Zweite Bedeutung ist, dass der Tathagata äußerlich mit dem Licht seines Körpers die Menschen erleuchtet und belehrt. Diese zweite Bedeutung basiert auf dem Konzept und der Wirkung von tajuyu, der Freude an der Weitergabe der Verdienste der eigenen Übung."

Dies ist der Ursprung des Begriffs jijuyu-zanmai. Der alte Meister hat jedoch nur über den Tathagata gesprochen, der bereits in die Buddhaschaft eingetreten ist und nicht darüber, dass die gleiche Tugend unvermindert in der Praxis von gewöhnlichen Menschen existiert, die sich auf der kausalen Ebene zur Verwirklichung der Buddhaschaft befinden.
Dem war so, weil er als ein Gelehrter einer Lehr-Schule in der Unterscheidung zwischen Tathagatas und empfindenden Wesen gefangen war.
Die Essenz der Buddhas und Patriarchen ist jedoch eine andere.

Der ehrwürdige Meister Rinzai sagte, "Wenn du wie die Patriarchen und Buddhas werden willst, suche nichts außerhalb. Das reine Licht deines Geistes ist nichts anderes als der Dharma-Körper Buddhas."
Zen Meister Wanshi sagte, "Es strahlt Licht aus und die großartigen Tausend-Welten erscheinen. Jedes einzelne Ding in der Welt ist nichts anderes als das Reich des jijuyu meines Selbst und dessen essentieller Funktion."

Wir dürfen nicht vergessen, dass sich seit dem Mittelalter (der Song, Yuang Dynastie in China, 10. bis 14.Jahrhundert) die Art und Weise der Übung geändert hat, und so die wesentliche Praxis verlorenging, da die Übenden durch die Koan-Praxis geblendet waren.
Allein Dogen, der Gründer des Eiheiji-Tempels war nicht blind und sagte, "Manchmal trete ich in jijuyu-zanmai ein. Jeder von euch muss es ergreifen und davon freien Gebrauch machen."
Was für ein Glück, dass wir der blühenden Udumbara-Blume im Wald der Falschheit dieses dekadenten Zeitalters begegnen können. Was können wir da anderes tun als unsere Dankbarkeit zu zeigen und fleißig zu praktizieren.

Erster Januar, drittes Jahr des Genbun (1738).
Zuiho, ein Übender aus Wakasa.



Jijuyu-zanmai

Die Lehren des Tathagata aus den verschiedenen Sutren wurden in plötzliche und schrittweise, provisorische und direkte Lehren unterteilt. Diese Lehren enthalten verschiedene Arten von Predigten, da diese vom Buddha für Menschen mit jeweils unterschiedlichen Eigenarten gehalten wurden. Da es sich bei diesen jedoch nur um provisorische Lehren handelt, wird das wahre Erwachen des Tathagata nicht direkt in diesen Sutren offenbart.
Obwohl Buddha seinen wahren Geist in einigen Mahayana-Sutren zum Ausdruck brachte, wurden die wahren Lehren oft falsch dargelegt, da die Kommentatoren diese Sutren mit ihrem gewöhnlichen, unterscheidenden Geist und ihrem intellektuellem Wissen interpretierten.
Darum steht im Zohoketsugikyo, dass die Interprationen durch Wörter nicht dem Geist der Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entspricht.
Ferner steht im Ryogakyo, dass der Buddha in den neunundvierzig Jahren seines Lehrens nicht ein Wort gesprochen hat. Daher sollte klar sein, dass das wahre Erwachen des Tathagata niemals mit Wörtern oder Unterscheidungen, noch mit dem täuschenden Geist gewöhnlicher Menschen erfasst werden kann.

Als der Buddha mit seinen Schülern auf dem Berg Ryoju war, nahm er eine Blume in die Hand und blinzelte. Hierauf lächelte der ehrwürdige Mahakasyapa. Da sagte der Tathagata zu der Versammlung, "Ich gebe das shobogenzo-nehanmyoshin (die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges, das lebendige Nirvana) an Mahakasyapa weiter."
Dieses nehanmyoshin ist das wahre Erwachen des Tathagata, das weit über die Sprache, Unterscheidungen und den täuschenden Geist hinausgeht. Es wird auch das jiyuyu-zanmai genannt, welches über einundfünfzig Generationen vom Buddha zu Bodhidharma in Indien bis zum sechsten Patriarchen Huineng in China, und zu Eihei Dogen in Japan weitergegeben wurde.
Die gleichzeitige Praxis-Verwirklichung dieses Samadhi ist nichts anderes als das Kekkafuza (Sitzen in der vollen Lotushaltung), das wir heute ausüben. Versuchsweise wird dieser Samadhi Zazen genannt. Der Grund warum er als Zazen bekannt ist, ist folgender:
Bodhidharma kam von Indien nach China und saß neun Jahre lang vor der Wand im Shorin-Tempel auf dem Berg Suzan. Zu dieser Zeit verstanden die Leute nicht, dass er jijuyu-zanmai, das shobogenzo-nehanmyoshin des Tathagata, praktizierte und so nannten sie ihn den Zazen-praktizierenden Brahmanen.
Die Körperhaltung seiner Übung glich der Körperhaltung des Dhyana der vier Stufen und des Samadhi der acht Stufen, die zu seiner Zeit unter den buddhistischen Gelehrten bekannt waren. So wurde Bodhidharmas Praxis gewöhnlich Zazen und seine Nachfolger folglich Anhänger der Zen-Schule genannt.

Ursprünglich wurde das shobogenzo-nehanmyoshin des Tathagata, das direkt durch die Buddhas und Patriarchen weitergegeben wurde jedoch nicht unbedingt Zazen genannt. Sollten wir nur Zen (Dhyana oder Meditation) praktizieren und dieses zu unserem einzigen Grundsatz machen? Meditation ist ein Teil der sechs Paramitas und Samadhi eine der drei grundlegenden buddhistischen Praktiken. Da diese Meditation aber von allen Bodhisattvas praktiziert werden soll, gäbe es keinen Grund diese besonders hervorzuheben, shobogenzo-nehanmyoshin zu nennen, und als solches weiterzugeben. Der Beweis hierfür liegt in den Worten von Meister Sekito, "Dieses Dharma-Tor wurde unter allen Buddhas weitergegeben. Es ist nicht auf die Praxis von Dhyana, Eifer, etc. beschränkt. Alles was notwendig ist, ist das Buddha-Bewusstsein zu verwirklichen."
"Dhyana und Eifer etc." ist eine Abkürzung für die sechs Paramitas. Dieses Dharma-Tor wurde direkt von Buddha zu Buddha, von Generation zu Generation überliefert. Das Buddha-Bewusstsein, genannt nehanmyoshin, ist makellos und erhellt sich fortwährend selbst.
Deshalb musst du verstehen, dass Zen nur ein provisorischer Name ist. Jijuyu-zanmai ist das shobogenzo-nehanmyoshin und Buddhas Weisheit, anuttara-samyak-sambodhi (vollkommenes Erwachen). Es ist auch als jintsu-daikomyozo (Speicher des großen Lichtes der Weisheit) bekannt. Weitere Namen sind muryogisho-zanmai (Samadhi der grenzenlosen Bedeutungen), hokyo-zanmai (Samadhi des kostbaren Spiegels), tojio-zanmai oder zanmai-o-zanmai (Königssamadhi) und birushana-zo-zanmai (Samadhi des Vairochana Buddha).
Dies ist das wesentliche Tun der Buddhas und Patriarchen. Verstehe dies klar und begreife, dass dieses jijuyu-zanmai - shinjin-datsuraku (Abfallen von Körper und Geist), datsuraku-shinjin (Körper und Geist sind abgefallen) ist.
All diese Begriffe der verschiedenen Lehren der Buddhas und Patriarchen sind verschiedene Namen für das Zazen das wir praktizieren.

Obwohl viele Menschen Zazen praktizieren, üben diese fast alle den Weg der gewöhnlichen Menschen, Hinayana-Anhänger oder der Bodhisattvas mit provisorischem Mahayana-Verständnis aus. Diejenigen, die jijuyu-zanmai als das wahre Erwachen aller Buddhas verstehen sind sehr selten.
Deshalb sind manche in Eile auf ihrem Weg und versuchen die Erleuchtung mit Hilfe der Koan-Praxis zu erlangen. Andere mühen sich mit sich selbst ab und suchen nach dem Subjekt das sieht und hört.
Einige versuchen ihre täuschenden Gedanken auszulöschen um einen angenehmen Zustand des Nicht-Geistes, Nicht-Denkens zu erreichen.

So wurden viele Methoden der Zazen-Praxis von verschiedenen Lehrern der Song-, Yuan- und Ming-Dynastien in China verbreitet. Aber es scheint so, als ob gerademal einer von hundert unter den Zazen-Übenden den wahren, von den Buddhas und Patriarchen weitergegebenen Samadhi kannte.
Die Koan-Übung wurde in der chinesischen Song-Dynastie eingeführt. Eine solche Praxis gab es weder zu Zeiten Bodhidharmas noch zur Zeit Enos, dem sechsten Patriarchen. Die Tradition der Koan-Übung ging nicht von Seigen oder Nangaku aus. Sie wurde von den Meistern der Song-Dynastie gegründet und basierte auf deren einseitigen Ideen. Obwohl einige behaupten, die Koan-Praxis würde auf Obaku Kiun zurückgehen, gibt es für diese Behauptung keinerlei Grundlage. Es ist Unsinn zu sagen, dass Obaku seine Schülern ermutigte Joshus Koan Mu zu lernen, da Obaku bereits tot war als Joshu über dieses sprach. Auch wurden nicht alle Koans erschaffen um die Menschen zur Zazen-Praxis zu ermutigen.
Nach dem Subjekt zu suchen, das sieht und hört, ist ebenfalls zwecklos. Je mehr du nach dem Subjekt suchst wirst du nur von dieser nutzlosen Anstrengung ermüden, da das was sucht und was gesucht wird nicht getrennt werden kann. Verstehe, dass deine Augen sich nicht selbst sehen können.
Den Geist zu erwecken um die täuschenden Gedanken auszulöschen, ist wie Öl in ein Feuer zu gießen um es zu löschen. Das Feuer wird dadurch noch stärker brennen.

Es gibt viele weitere Wege Zazen zu üben, aber der korrekt weitergegebene, unverfälsche Weg kann unter diesen nicht gefunden werden. Deshalb hat Dogen das Zazenshin oder Zazenmei aus dem Keitoku-dentoroku sowie das Katai-futoroku kritisiert und sagte, dass keine davon den korrekt weitergegebenen Weg ausdrücke. Viele Lehrer, sowohl in China als auch in Japan schätzen das Zazengi aus dem Zennen-Shingi von Choro Sosaku (Zhanglu Zongze). Dennoch kritisierte Dogen dieses indem er sagte, dass es nicht den Weg von Hyakujo ausdrücke und den wesentlichen Punkt der Lehre der Patriarchen verfehle. Dieses Zazengi ist momentan als letzter Teil des Shiburoku eingebunden.

Warum lehnte Dogen die Leitsätze dieser Vorfahren ab, und sagte, dass ihre Worte nicht wahr seien? Diese Lehrer aus dem Mittelalter (der chinesischen Song-Dynastie) dachten, dass wir alle verblendet sind und durch die Praxis des Zazen die Erleuchtung als ein Resultat der angehäuften Kräfte der Praxis erlangen können. Sie dachten auch, dass wenn sie einmal die Erleuchtung erlangt hätten es keinen Grund mehr gäbe, noch weiter Zazen zu üben. Sie haben es mit einem Floß verglichen, das nicht mehr gebraucht wird, sobald das andere Ufer einmal erreicht ist.
Heute praktizieren die Menschen Zazen oft mit solch einer Einstellung. Dies ist die Gesinnung der gewöhnlichen Menschen, Hinayana-Anhänger und Bodhisattvas mit provisorischem Mahayana-Verständnis.
Sie streben das Auslöschen der Täuschungen und das Erreichen der Erleuchtung an - wollen die täuschenden Gedanken auslöschen und die Wahrheit erlangen. Dies ist nichts anderes als das Karma des Annehmens und Ablehnens zu erschaffen.
Solch eine Gesinnung ist nur eine weitere Form des Dualismus, in der jemand vor etwas weg, und etwas anderem hinterher läuft. Wenn wir denken, dass diese Art der Übung dieselbe ist, wie die der Buddhas und Patriarchen, wie das Zanmai-O-Zanmai des Tathagata oder wie Bodhidharmas neun Jahre des Sitzens vor der Wand, werden diese ebenfalls zu nichts anderem als zu einer einfachen Methode um sich selbst von den Täuschungen zu befreien und Erleuchtung zu erlangen. Was für eine erbärmliche Sichtweise.
In den letzten Jahrhunderten haben viele an dieser Gesinnung festgehalten, sowohl in China, als auch in Japan. Sie alle halten einen Kieselstein für Gold, ein Fischauge für einen Juwelen, da sie noch nicht die Essenz des großartigen Dharma verstanden haben.

Das wahre Zazen, das von den Buddhas und Patriarchen weitergegeben wurde, ist das jijuyu-zanmai des Tathagata. Es ist der Zustand, in dem Körper und Geist des vollkommenen Nirvana immer in Frieden verweilen. Im Lotus-Sutra wird das Zazen des Tathagata muryogisho-zanmai (Samadhi der grenzenlosen Bedeutungen) genannt. Im Mahaprajnya-Sutra wird es toji-o-zanmai (Königssamadhi) genannt. Im Daihon-hannya-kyo taucht es unter dem Namen zanmai-o-zanmai auf und Zen-Meister Tozan Ryokai nannte es hokyo-zanmai (Samadhi des kostbaren Spiegels).

Offensichtlich ist Zazen keine Übung, um die Täuschungen auszulöschen und Erleuchtung zu erlangen. Als der Buddha dieses Zazen an den ehrwürdigen Mahakasyapa weitergab, nannte er es shobogenzo-nehanmyoshin. Sekito brachte dies zum Ausdruck, indem er sagte, "Das Herz des großen Weisen aus Indien wurde vertraut von Mensch zu Mensch weitergegeben, sowohl im Osten, wie auch im Westen." Und Tozan sagte, "Der Dharma von nyoze wurde vertraut durch die Buddhas und Patriarchen weitergegeben." Dieses lebendige Nirvana wurde über achtundzwanzig Generationen hinweg authentisch bis zu Bodhidharma in Indien weitergegeben. Der große Meister aus Indien kam dann nach China und gab denselben Samadhi an den zweiten Patriarchen Eka weiter. Wir müssen Bodhidharmas Lehre gründlich studieren. Was ist seine Lehre?
Zazen felsenfest vor einer Wand zu praktizieren und zu sehen, dass gewöhnliche Menschen und Heilige ein und dasselbe sind. Wir müssen auch die Worte des zweiten Patriarchen sorgfältig studieren, "Sei immer klaren Bewusstseins."

Die Essenz ihrer Lehren wurde über dreiundzwanzig Generationen hinweg bis zu Meister Nyojo vom Berge Tendo in der Song-Dynastie übermittelt. Eihei Dogen ging nach China, praktizierte bei Meister Nyojo und empfing die Weitergabe dieses jijuyu-zanmai. Nachdem er nach Japan zurückkehrte, lehrte er diesen Samadhi und nannte ihn shinjin-datsuraku (Abfallen von Körper und Geist), datsuraku-shinjin (Körper und Geist sind abgefallen). Dies ist ein anderer Name für anuttara-samyak-sambodhi (vollkommenes Erwachen). Dieses Bewusstsein überschreitet die Ebenen der gewöhnlichen Menschen, des Hinayana, der zehn Stufen der Bodhisattvas und togaku. Daher wird gesagt, "Trete direkt in die Ebene des Tathagata ein. Kümmere dich nur um die Essenz und sorge dich nicht um unbedeutende Dinge."
Die Übung der sechs Paramitas der Bodhisattvas und alle der 84000 Dharma-Tore des Buddha sind ohne Ausnahme in diesem jijuyu-zanmai enthalten. Darum wird gesagt, dass sobald du das Tathagata-Zen realisierst, sich die sechs Paramitas und alle anderen Übungen vollständig in dir verwirklichen. Es wird auch gesagt, dass wenn du in der aufrechten Haltung sitzt und der Wirklichkeit gewahr bist, alles Schlechte wie Frost oder ein Tautropfen ist - wenn du dich in diesem Samadhi niederlässt wird alles Schlechte verschwinden, so schnell wie der Frost oder ein Tautropfen unter der Sonne verschwindet.

Im Shodoka finden wir den Ausdruck, "Im Gewahrsein der Wirklichkeit gibt es weder Subjekt noch Objekt und wir sind augenblicklich vom Karma der Hölle der unendlichen Leiden befreit." Wenn du in diesem Samadhi sitzt, wirst du direkt in das Reich des Tathagata eintreten. Deshalb ist dieser Samadhi mit der grenzenlosen Tugend der Wurzel des Guten erfüllt, und die grenzenlosen Hindernisse der schlechten Taten, durch schlechtes Karma verursacht, verschwinden ohne eine Spur zu hinterlassen. Da dieser Samadhi wahrhaftig das unvergleichbare, großartige Dharma-Rad und die Praxis des ewigen über die Buddhaschaft Hinausgehens ist, ist dieser jenseits der Worte und unterscheidenden Gedanken.
Wenn du dem wahren Dharma in den unendlichen Äonen der Transmigration im Kreislaufs von Leben und Tod begegnen würdest, wäre auch nur ein Tag deines Lebens kostbarer als Millionen von Jahren ohne den wahren Dharma. Also widme dich unermüdlich diesem Samadhi - hüte es jede Sekunde.

Ich will nun genau erklären wie man diesen Samadhi klärt und verwirklicht. Dies geschieht einfach, indem du das Licht deines wahren Selbst nicht verdunkelst. Wenn das Licht deines Selbst klar ist, folgst du weder konchin (Schläfrigkeit) noch sanran (Zerstreuung).
Der dritte Patriarch sagte, "Wenn das wolkenlose Licht sich selbst erhellt ist keinerlei geistige Anstrengung notwendig - keine Energie wird verschwendet."
Dies ist der wesentliche Punkt der Praxis und Verwirklichung dieses Samadhi. "Das wolkenlose Licht erhellt sich selbst" bedeutet, dass das Licht des Selbst hell leuchtet. "Ist keinerlei geistige Anstrengung notwendig", bedeutet, die Wirklichkeit nicht durch die Unterscheidungen des täuschenden Geistes zu verzerren. Wenn du im dualistischen Denken verharrst, wird das Licht zum täuschenden Geist und die Helligkeit wird zur Dunkelheit. Wenn du nicht im dualistischen Denken verharrst, wird dagegen die Dunkelheit zum aus sich selbst leuchtenden Licht. Das ist wie beim Licht eines Juwelen, das den Juwelen selbst erhellt. Es ist wie das Licht von Sonne und Mond, die alles gleichermaßen ohne Unterscheidung oder Bewertung erhellen - Berge und Flüsse, Menschen und Hunde etc. Auch ein Spiegel reflektiert alles, ohne zu unterscheiden. Halte in diesem jijuyu-zanmai einfach das Licht des Selbst unbewölkt ohne dich mit dem dualistischen Geist zu befassen - ohne etwas zu ergreifen oder hinzuzufügen. Dies ist die Bedeutung von Wanshi Zenji's Zazenshin:

"Das wesentliche Tun eines jeden Buddhas,
Das Tun des Wesentlichen eines jeden Patriarchen.
Kein einziges Ding ergreifen und doch tief verstehen,
Nicht gegen das andere sein und doch aus sich selbst leuchten."


Wenn du die Zazen-Wirklichkeit gründlich erlernst und praktizierst wird die gefrorene Blockade des täuschenden Geistes auf natürliche Weise zerrinnen. Wenn du denkst, dass du den täuschenden Geist abgeschnitten hast, anstatt einfach zu klären wie der täuschenden Geist zerrinnt, wird dieser wieder erscheinen, als ob du den Stiel eines Grashalmes oder den Stamm eines Baumes abgeschnitten hättest, ohne die Wurzel zu beseitigen. Dies ist ganz natürlich.

Daher musst du die Essenz der Verwirklichung in der Übung der Buddhas und Patriarchen unter der Leitung eines wahren Lehrers, dem der Dharma korrekt übermittelt wurde, studieren und klären - ansonsten verschwendest du nur deine Zeit, ganz gleich wie lange und ernsthaft du auch praktizierst.
Mumyo (Unwissen, Verblendung) wird täuschender Geist genannt. Er ist die Ursache des Umherirrens im illusionären Zyklus von Leben und Tod seit unermesslichen Zeiten. Es ist unser unterscheidender Geist, der sich stur an unsere Wahrnehmung von Körper, Geist, der Welt und allen Dingen - in der Form wie wir diese bisher wahrgenommen haben, klammert. Obwohl zum Beispiel etwas das uns als gut erscheint, nicht immer gut ist, halten wir hartnäckig an dem fest was wir für gut halten. Etwas, das uns als schlecht erscheint, ist nicht immer schlecht - trotzdem halten wir an unserem Urteil fest und es wird zu einem Vorurteil. Selbst wenn du glaubst, dass etwas gut ist, halten es andere vielleicht für schlecht. Selbst wenn du etwas für schlecht hälst, halten es andere vielleicht für gut. Und selbst wenn beide, du und andere etwas für gut oder schlecht halten, stimmen solche Urteile lediglich mit dem täuschenden Geist überein, der sich in Form von eigenem Wissen, Ansichten und Erfahrung manifestiert. Dies stimmt nicht nur bei Meinungen über gut und schlecht, sondern auch bei unseren Ansichten über Sein und Nicht-Sein, Liebe und Hass etc. All diese Unterscheidungen entspringen dem täuschenden Geist.

Vögel fliegen ohne Probleme durch den Himmel, aber Fische können nicht im Himmel leben. Fische schwimmen frei im Wasser, Vögel jedoch würden im Wasser nicht überleben. Maden denken nicht, dass Kot schmutzig ist. Ein Tademushi kennt keine Bitterkeit. Eine Feuermaus lebt im Feuer. Es gibt eine Spezie von Krabben, die in sehr heißem Wasser lebt.
Der täuschende Geist ist die Wurzel der Verblendung - des Anhaftens an einseitigen Standpunkten, geformt von unserer eigenen konditionierten Wahrnehmung, die auf unserer persönlichen Erfahrung basiert.
Das Leiden in einer Welt kann in einer anderen Welt Glück bedeuten. Es wird gesagt, dass die Gebote eines Sravaka einzuhalten, bedeutet, die Gebote eines Bodhisattva zu verletzen. Jedes Lebewesen in den zehn Welten hat seine eigene Sicht der Dinge. Wie könnten ihre Sichten der Welt je gleich sein?! Ursprünglich sind alle Dinge außerhalb des täuschenden Geistes, jenseits von Bewertung und Unterscheidung. Du must dies klar und ohne Zweifel verstehen.

Da war einmal ein großer König in Indien. Eines Tages ließ er eine Gruppe Blinder zusammenkommen und ließ sie einen Elefanten betasten. Als sie den Elefanten abgetastet hatten, fragte sie der König, "Was ist die Form des Elefanten? Sagt mir, was ihr denkt."
Unter den blinden Menschen sagte derjenige, der den Fuß des Elefanten berührt hatte, "Ein Elefant ist wie ein lackiertes Fass." Der Blinde, der den Schwanz des Elefanten berührt hatte, sagte, "Ein Elefant ist wie ein Besen." Der unter den Blinden, der den Bauch berührt hatte, sagte, "Ein Elefant ist wie eine große Trommel." Derjenige, der das Ohr berührt hatte, meinte, "Ein Elefant ist wie eine große Schaufel." Schließlich sagte der Blinde, der den Rüssel berührt hatte, "Ein Elefant ist wie ein dickes Seil."
Darauf sagte der König, "Wie bemitleidenswert diese blinden Menschen doch sind! Jeder von ihnen denkt ein Elefant ist das eine Teil des Elefanten, das sie berührt haben. Wenn sie es nur als Ganzes sehen könnten, würden sie verstehen, dass ihre Ideen völlig verschieden von der Wirklichkeit sind."
Diese Geschichte steht im Nehankyo.

Da die Menschen vom täuschenden Geist verblendet sind, können sie nicht klar und gründlich die Wirklichkeit des ganzen Körpers aller Dinge sehen. Folglich sehen sie etwas als gut oder schlecht, Sein oder Nicht-Sein, lebend oder tot, empfindendes Wesen oder Buddha. Wenn ihre Augen aber geöffnet wären, könnten sie nicht garnicht anders, als zu erkennen, dass das Wissen und die Wahrnehmung die sie durch ihre persönliche Erfahrung erworben haben, nicht die ganze Wirklichkeit sind.
Deshalb kann niemand von den Täuschungen frei sein, solange der täuschende Geist nicht losgelassen wurde. Ganz gleich wie fleißig jemand fortfährt gute Tate zu begehen, wenn diese Taten mit einem blinden Geist geschehen, wird das daraus resultierende Glück lediglich auf die Welt der Menschen und himmlischen Wesen begrenzt sein, da derartige gute Taten immernoch zur schädlichen Verursachung der sechs Welten der Transmigration gehören.
Im Mahaprajnaparamita-Sutra wird gesagt, dass selbst wenn du die fünf Paramitas ausübst, all deine Übungen zum Reich der schädlichen Verursachung der Menschen und himmlischen Wesen gehören, solange du nicht Prajna-Paramita praktizierst. Solche Übungen sind nicht die von anuttara-samyak-sambodhi (vollkommenem Erwachen).

Prajna-Paramita auszuüben bedeutet, dass das Licht der Weisheit von jijuyu-zanmai die Dunkelheit und Unwissenheit der täuschenden Gedanken erhellt und auflöst. Wenn das Licht des Selbst klar ist, ist selbst eine kleine gute Tat die Verwirklichung von unvergleichbarem Bewusstsein, da die Tat vor dem Aufkommen des täuschenden Geistes ausgeübt wird. Deshalb solltest du dich um nichts anderes kümmern als um das Loslassen des täuschenden Geistes - die Wurzel der Verblendung durchschneiden, das Licht von jijuyu-zanmai ausstrahlen und das Auge der Weisheit öffnen. Dies ist die Weisheit Buddhas und die wahre Verwirklichung des Buddha-Weges.
Im Lotus-Sutra wird gesagt, "Alles was die Buddhas tun, ist für die Unterweisung der Bodhisattvas. Alles was sie tun dient nur einem Zweck - den empfindenden Wesen Buddhas Weisheit zu zeigen und sie zu befähigen die Wirklichkeit als Ganzes zu sehen."
Buddhas Weisheit bedeutet, dass Buddhas alle Dinge ohne täuschende Gedanken sehen und kennen. Daher befähigen Buddhas die empfindenden Wesen, sich vom täuschenden Geist zu befreien, und selbst die Buddha-Weisheit zu verwirklichen. Dies ist der Kern der Lehren aller Buddhas und Patriarchen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Eine große Anzahl von Menschen jedoch lassen weder den täuschenden Geist hinter sich, noch öffnen sie das Auge der Buddha-Weisheit. Sie glauben, dass das Ausüben des Buddha-Dharma bedeute, die Sutren zu studieren, die die Aufzeichnungen von Buddhas Weisheit enthalten. Dies ist ein großer Irrtum. So hilft es doch keineswegs ein Rezept zu lesen, wenn du hungerst. Eine ganze Bibliothek voller Sutren ist lediglich eine Sammlung von Rezepten des wahren Geschmacks der Wirklichkeit. Nachdem der Buddha-Dharma in China eingeführt wurde, verbrachten die Schüler dort mehr als 400 Jahre damit darüber zu argumentieren, welches Rezept denn nun besser war, ohne jemals die Wirklichkeit selbst zu schmecken. Jeder von ihnen verließ sich auf ein bestimmtes Sutra, oder auf Kommentare zu einem Sutra, und argumentierte darüber, welches Rezept denn nun besser oder schlechter sei. Keiner von ihnen kannte den wahren Geschmack des Buddha-Dharma.

Später übermittelte Bodhidharma den wahren Geschmack des Buddha-Dharma und füllte so die leeren Mägen der Menschen, wodurch diese befähigt wurden, das Nirvana zu verwirklichen. Dies ist nichts anderes als das jijuyu-zanmai, das direkt vom Tathagata bis zu uns übermittelt wurde.
Der berühmte Satz, "Hänge nicht von Worten ab" bedeutet, dass Argumente über die Qualität des Rezeptes nicht zum Stillen des Hungers beitragen. Aus diesem Grund kam Bodhidharma ohne irgendwelche Sutren mitzubringen aus China, ließ sich einfach friedlich in diesem Samadhi, neun Jahre vor der Wand sitzend, nieder und befähigte die Menschen ihre Augen für die Weisheit Buddhas zu öffnen.
Sobald wir uns des wahren Geschmacks dieses Samadhi bewusst werden, wird das Hungern der unermesslichen Vergangenheit besänftigt werden, und du wirst nie wieder hungern müssen. Der wahre, korrekt durch die Buddhas und Patriarchen übermittelte Geschmack ist Buddhas Weisheit. Dies wird auch shinjin-datsuraku (Abfallen von Körper und Geist) genannt - vollständig intuitiv verstehen, dass Körper, Geist und die Welt (Raum und Zeit) nicht mit dem täuschenden Geist ergriffen werden können, die Wirklichkeit jenseits des täuschenden Geistes ist und das Licht des wahren Selbst freigeben.

Wir müssen den sogenannten menschlichen Geist genau untersuchen. Dieser menschliche Geist manifestiert sich in Form von Gier, Hass oder Verblendung. Diese drei Gifte können in Gute und Schlechte eingeteilt werden. Wenn sie sich auf schlechte Weise manifestieren, bringt Hass die Hölle, Verblendung das Reich der Tiere und Gier das Reich der hungrigen Geister hervor. Wenn sie sich auf gute Weise manifestieren, bringt Hass das Reich der Asura, Gier das Reich der menschlichen Wesen, und Verblendung das Reich der himmlischen Wesen hervor.
Daher können wir, obwohl dies alles die Manifestationen eines Geistes sind, nicht sagen, dass es keinen Unterschied zwischen gut und schlecht gibt. Obwohl gut und schlecht zweierlei sind - beide werden von den drei Giften hervorgebracht, und schaffen die sechs Reiche der Transmigration. Diese sechs Reiche werden auch die drei Welten genannt. All diese Reiche der Transmigration sind in der Tätigkeit des Geistes enthalten.
Wenn der Geist nicht arbeitet wird dieser Zustand muki (neutral) genannt. Wenn du an diesem Zustand anhaftest, verlässt du die sechs Reiche der Transmigration und wirst ein Nicht-Buddhist oder ein Praktizierender des Hinayana. Niemals wirst du so die Buddhaschaft erlangen können. Dem ist so, weil die Gesinnung solcher Menschen durch die Emotionen und Gedanken des täuschenden Geistes begrenzt sind.

Der eine Geist, der sich weder als unen (Denken, sechs Reiche der Transmigration) noch als munen (Nicht-Denken, weder gut noch schlecht) manifestiert, muss etwas sein, das jenseits solcher Zustände ist. Es muss das Licht sein, das überall leuchtet und niemals verdunkelt ist. Sobald du dir dieses Lichtes klar bewusst wirst, wirst du von den Beschränkungen des täuschenden Geistes befreit sein und die Buddha-Weisheit verwirklichen. Dies wird nehanmyoshin (der wunderbare Geist des Nirvana) genannt. Dies ist nichts anderes als jijuyu-zanmai. Shakyamunis sechs Jahre des Sitzens, Bodhidharmas neun Jahre des Sitzens vor der Wand, Zen-Meister Nyojos shikantaza - all dies sind Beispiele der Praxis-Verwirklichung dieses Samadhi.
Die Praxis-Verwirklichung jenseits von unen und munen kann mit der Tätigkeit eines Spiegels verglichen werden. Ein Spiegel reflektiert beide - schöne und hässliche Dinge, ohne zwischen diesen zu unterscheiden. Dies ist die natürliche Tätigkeit eines Spiegels. Aber die Spiegelung des Spiegels, die schön oder hässlich sein kann, ist nicht der Spiegel selbst. Die Spiegelung ist lediglich ein Schatten dessen, was sich vor dem Spiegel befindet.

Wenn du nur die Unterscheidung zwischen gut und schlecht - unen (Denken) siehst, und denkst, dass dies dein ursprünglicher Geist ist, so ist dies dasselbe, wie wenn du die Spiegelung eines Spiegels ergreifst und denkst, dass diese der Spiegel selbst ist. Dies ist ein Irrtum. Diese Analogie ist eine Ermahnung, dich nicht in der Zerstreutheit der Gedanken zu verlieren. Wenn du nun aber denkst, dass munen (Nicht-Denken) dein wahrer Geist ist und am Zustand des Nicht-Denkens anhaftest in dem weder Gutes noch Schlechtes erscheint, ist dies dasselbe wie wenn du glauben würdest, dass der Bereich wo keine Spiegelung existiert, der Spiegel selbst ist und an der Rückseite des Spiegels anhaften würdest. Wenn ein Spiegel nichts spiegelt ist es dasselbe, wie wenn dieser ein Stück Stein oder ein Ziegel wäre - die Funktion des Lichtes des Spiegels ist verlorengegangen. Diese Analogie ermahnt uns nicht im Zustand der Schläfrigkeit oder muki (Nicht-Denken) zu stagnieren. Wie du weißt, ist weder die Spiegelung noch die Rückseite eines Spiegels die wesentliche Funktion eines Spiegels, die wie die des Lichtes sich selbst klar erhellt. Du musst verstehen, dass die Weisheit Buddhas, wie ein großer und perfekter Spiegel - weit über die Unterscheidung von Denken und Nicht-Denken hinausgeht.

Wenn du zum Beispiel Zazen praktizierst und dein Geist nichts hervorbringt - du weder hörst noch siehst, und nichts fühlst, dann stagnierst du lediglich in der Leerheit. Wenn du dagegen etwas hörst und siehst und darüber nachdenkst, Schmerzen oder ein Jucken fühlst, stagnierst du lediglich in der Unterscheidung von Subjekt und Objekt. Beide Zustände sind durch die täuschenden Gedanken beschränkt.

Daher sagte der dritte Patriarch, "Jage weder den Objekten nach, noch verweile in Leerheit." Du musst diesen Punkt gründlich studieren und dies klar verstehen. Einfach nur Farben, Formen und Töne etc. zu erhellen, ohne Unterscheidungen hinzuzufügen, ist die Weisheit Buddhas.
Die Analogie des Spiegels ist jedoch nicht perfekt. Normalerweise benutzen wir solche Analogien um es einfacher zu machen die Wirklichkeit zu beschreiben, indem wir diese mit etwas Ähnlichem vergleichen, da wir oft unfähig sind, die Wirklichkeit selbst direkt zu beschreiben. Du solltest verstehen, dass Analogien hierzu sehr nützlich sind, aber nie die Wirklichkeit als Ganzes zeigen.
Wenn du zum Beispiel von jemandem der blind geboren wurde gefragt wirst, wie die Sonne aussieht, wirst du ihm vielleicht eine Schale aus Metal geben damit er versteht, dass die Sonne rund ist. Der Blinde könnte jedoch auf die Schale schlagen und sagen "Aha! Die Sonne gibt einen sehr schönen Ton von sich." Du musst daher sehr vorsichtig sein, Analogien nicht falsch zu interpretieren, oder du wirst in die Irre gehen.

Ich benutze die Analogie des Spiegels lediglich um die Beziehung zwischen nenki (Denken), munen (Nicht-Denken), und dem Licht jenseits von Denken und Nicht-Denken aufzuzeigen. Diese Analogie kann nicht für die anderen Details angewandt werden, da der Spiegel und die Reflektionen - sowohl von Schönem wie von Hässlichem, voneinander verschieden sind, und die Reflektionen von den Objekten vor dem Spiegel verursacht werden. Wenn jedoch Gutes, Schlechtes, Hass, Liebe oder sonst etwas in unserem Geist aufsteigt, sind diese nicht verschieden von unserem eigenen Geist. Nichts kommt von Außern. Das ursprüngliche Licht und unsere Gedanken sind nicht zweierlei. Dehalb sagte ich, dass die Analogie des Spiegels nicht perfekt ist.

Im Ryogonkyo gibt es den Ausdruck kyakujin-bonno (Täuschung ist Staub von Außen). Der ursprüngliche Geist ist wie der Wirt eines Gasthauses, und die verschiedenen Gedanken sind wie die Besucher des Gasthauses, die kommen und gehen. Wenn ein Besucher geht, kommt ein anderer. Jeder Besucher ist verschieden von den anderen. Einige gehören zur hohen Gesellschaft, andere zur niedrigen, einige sind reich und andere arm. Aber der Wirt ist immer derselbe. Oder wenn Sonnenlicht durch ein Fenster in einen Raum fällt und jemand auf eine Strohmatte schlägt, wirst du Staub in Wolken aufsteigen sehen. Sobald sich der Staub niederlässt bleibt nichts als leerer Raum übrig. In dieser Analogie sind die Gedanken der aufsteigende Staub, und der ursprüngliche Geist der leere Raum. Seit ewigen Zeiten gibt es Kommentatoren die diese Analogie völlig arglos fehltinterpretiert haben.
Sie dachten, dass der aufsteigende Geist nur kyakujin-bonno ist, dass Täuschung wie Staub ist, der an unserem Geist haftet und daher munen-mushin (Nicht-Denken, Nicht-Geist) unser wahrer ursprünglicher Geist ist.

Sie beharrten darauf zu versuchen die Gedanken gewaltsam zu unterdrücken. Diese Fehlinterpretation kam daher, weil sie nicht verstanden haben, dass eine Analogie nicht die Wahrheit als Ganzes ausdrückt.
Es gibt hierzu einige alte Aussprüche die wie folgt lauten:
"Nicht-Geist ist immer noch getrennt von der Wirklichkeit."
"Der reine Ort verblendet die Menschen umso mehr."
"Selbst wenn du wie der blaue Himmel bist, werde ich dich mit dem Stock schlagen."
Diese Äußerungen ermahnen uns, nicht zu denken, dass munen (Nicht-Denken) die Erleuchtung ist und nicht an einem solchen Zustand anzuhaften.
Es ist ein großer Irrtum den menschlichen Geist nur mit solchen Analogien wie dem Wirt und den Besuchern, oder dem leeren Raum und dem vom Raum getrennten, aufsteigendem Staub verstehen zu wollen. Obwohl der aufsteigende Geist des Denkens eine Täuschung ist, ist er doch nichts anderes als eine vorübergehende Form des ursprünglichen Geistes. Es gibt keinen ursprünglichen Geist getrennt vom aufsteigenden Geist. Deshalb werden, wenn dein Geist mit Hass gefüllt ist, dein Körper, dein Geist und die ganze Welt wie ein brennendes Haus. Wenn dein Geist mit Mitgefühl gefüllt ist, wird dein Körper, dein Geist und die ganze Welt zum reinen Buddha-Land.
Ein Mönch fragte einmal Joshu, "Hat ein Hund Buddha-Natur oder nicht?" Joshu antwortete, "Nein! (Mu!)" Der Mönch fragte weiter, "Es wird gesagt, dass alle empfindenden Wesen die Buddha-Natur haben, wieso hat ein Hund nicht Buddha-Natur?" Joshu sagte, "Dem ist so, weil ein Hund karmische Natur hat."

Für einen Hund sind Körper, Geist und die ganze Welt das Reich der karmischen Natur des Hundes. Daher gibt für ihn nichts zusätzliches wie eine Buddha-Natur. Im Falle des Tathagata verweist diese karmische Natur auf die Buddha-Natur. Deshalb ist, wenn wir die Dinge vom geblendeten Standpunkt der Unterscheidung aus, beschränkt durch den täuschenden Geist, betrachten, selbst das Leben des Tathagata der perfekten Tugend nichts anders als ein Teil der Transmigration im Zyklus von Leben und Tod. Wenn wir auf der anderen Seite von der Weisheit Buddhas durchdrungen sind, sind alle empfindenden Wesen in den sechs Reichen der Transmigration der ewige Dharma-Körper des Tathagata. In diesem Sinne sind Täuschung und Erwachen eins - Leben, Tod und Nirvana sind nicht getrennt voneinander. Dogen Zenji sagte auch, "Da ist kein kyakujin (von uns getrennter Staub) im ganzen Universum. Da ist keine zweite Person in diesem Augenblick."

Sowohl in China, als auch in Japan, gab es seit mittelalterlichen Zeiten bis heute unzählige Zen-Lehrer, die niemals von einem wahren Lehrer über die Wirklichkeit unterwiesen wurden. Sie dachten fälschlicherweise, dass das Auslöschen der Gedanken im Geist die authentische Praxis des Buddha-Dharma ist. Dem war so, weil sie nur die oberflächliche Bedeutung der Worte erfassten, und an einseitigen Meinungen festhielten. Obwohl ein Geist die drei Gifte hervorbringen kann, und die drei Gifte wiederum die sechs Reiche von gut und schlecht hervorbringen können, sind dies doch alles nur vorübergehende Zustände in unserem Geist. Es gibt daher keinen Grund sie zu vertreiben.

Trotzdem - wenn unser Geist gut ist, versteifen wir uns in guten Absichten und haften an den beschränkten Verdiensten der drei guten Reiche. Folglich werden wir blind für das Licht das jenseits des Guten ist. Wenn unser Geist schlecht ist, versteifen wir uns in schlechten Absichten und werden von den Folgen der drei schlechten Reiche umhergezogen. Folglich leiden wir und können das Licht, das jenseits des Schlechten ist, nicht wahrnehmen. Wenn wir im Zustand des Nicht-Denkens verharren, stagnieren wir dort, weil wir denken, dass dies ein wünschenswerter Zustand des Geistes ist. Folglich werden wir wie Hinayana oder Nicht-Buddhistische Praktizierende, die niemals Buddhaschaft erlangen. Wir scheitern daran das Licht jenseits des Nicht-Denkens zu sehen. Wenn wir die Unterscheidungen zwischen gut und schlecht, Denken und Nicht-Denken überschreiten, das Licht des Selbst aufstrahlen lassen und uns jenseits der Unterscheidungen niederlassen, werden wir nicht in Güte stagnieren - obwohl unser Geist voller Güte ist. Auch werden wir nicht an Schlechtem anhaften oder am Zustand des Nicht-Denkens - selbst wenn unser Geist in diesem Zustand verweilt. Daher, selbst wenn unser Geist schlecht wird - sobald das Licht jenseits des Denkens aufstrahlt, wird der schlechte Geist sofort abfallen und nur das Licht des Selbst zurückbleiben. Dies ist der Weg, die Menschen in den drei schlechten Reichen zu annuttara-sammyak-sambodhi (vollkommenem Erwachen) zu führen.

Dasselbe gilt für die Menschen, die in den drei guten Reichen verweilen, und erlaubt ihnen das vollkommene Erwachen zu verwirklichen. Auch Nicht-Buddhisten oder Hinayana-Praktizierende die im Nicht-Denken verharren, können auf diese Weise direkt ins vollkommene Erwachen übergehen. Dies wird das großartige Licht, Buddhas Weisheit oder Prajna-Paramita genannt. Es wird im muryogisho-zanmai (Samadhi der grenzenlosen Bedeutungen) auch "Licht von der Mitte der Stirn ausstrahlen" genannt. Zanmai-o-zanmai (Königssamadhi) und birushana-zo-zanmai (Samadhi des Vairochana Buddha) sind ebenfalls Namen die auf jijuyu-zanmai verweisen.

Als der Tathagata das Mahaprajnaparamita-Sutra predigte, saß er in Zazen. Dies wurde toji-o-zanmai genannt. Im Daihon-hannyakyo wird es zanmai-o-zanmai genannt. Als der Buddha sich vollständig in diesem Samadhi niederließ, das großartige Licht von seinem gesamten Körper ausstrahlte und die Welt in den zehn Richtungen erhellte - wurden die empfindenden Wesen vom Leiden der acht kalten und heißen Höllen befreit, die Lebewesen im Reich der Tiere wurden von Unwissenheit befreit, die hungrigen Geister haben ihren Schmerz des Hungerns vergessen, die Asuras mäßigten ihre Arroganz und ihren Kampfgeist, die menschlichen Wesen haben ihre Bürde der fünf oder acht Leiden vergessen, die himmlischen Wesen haben das Leiden, das durch die fünf Omen der Hinfälligkeit vor ihrem Tod resultierte, vergessen, die Sravakas und Pratyekabuddhas haben Bodhi-Geist erweckt, alle Bodhisattvas vervollständigten die sechs Paramitas und die Welt aller Buddhas erneuerte ihre Herrlichkeit der Tugend. Ohne Ausnahme verwirklichte jeder der diesem Licht begegnete vollständiges Erwachen. Der Nutzen des Lichtes dieses zanmai-o-zanmai ist sehr groß auf diese Weise. Dies wird in den sechshundert Bändern des Mahaprajnaparamita-Sutras beschrieben.

Als der Tathagata das Lotus-Sutra predigte, saß er in Zazen. Dies wurde muryogisho-zanmai (Samadhi der grenzenlosen Bedeutungen) genannt. Als er in diesem Samadhi weilte, strahlte er das große Licht von der Mitte seiner Stirn aus und erhellte die Welt in den zehn Richtungen. Alle Welten, von der Avici-Hölle bis zum höchsten Himmel, weilten in diesem Licht - dem selben Licht wie dem der Weisheit, das im Mahaprajnaparamita-Sutra erwähnt wird. Ohne Ausnahme verwirklichten alle Lebewesen in diesem Licht Buddhaschaft. Aus diesem Grund wurde selbst Devadatta, der die fünf Hauptsünden begangen hatte und in die Hölle gefallen war, die Prophezeiung gegeben, dass er Buddhaschaft verwirklichen und Tathagata genannt werden würde. Und auch die Drachentochter verwirklichte - obwohl sie ein Tier war, in der südlichen makellosen Welt die Buddhaschaft. Wenn dies für die Lebewesen in den drei schlechten Reichen der Fall war, ist es keine Frage, dass die Lebewesen in den drei guten Reichen Buddhaschaft verwirklichen können. Aus diesem Grund sagte der Buddha voraus, dass selbst diejenigen, die nur einen Satz oder einen Vers seiner Lehre lesen würden die Buddhaschaft ohne Ausnahme erreichen würden. Dem ist so, da sie die höchste Wirkung der vollkommenen Tugend des Lichtes dieses Samadhi empfangen. Dies wird im Lotus-Sutra beschrieben. Muryogisho-zanmai und zanmai-o-zanmai sind verschiedene Namen für das Zazen, das wir heute üben und das direkt durch die Buddhas und Patriarchen weitergegeben wurde.

Die Unterteilung der zehn Reiche in gute oder schlechte kommt aus dem täuschenden Geist und erzeugt eine Grenze zwischen jedem Reich - unterteilt diese in höherstehende und niedrige Reiche, in gute und schlechte. Der Tathagata dagegen lässt sich friedlich in der Buddhaschaft nieder, übersteigt die Gedanken und Unterscheidungen, strahlt das Licht der Tugend aus, und erleuchtet alle lebenden Wesen in den zehn Reichen, die in Gedanken und Unterscheidungen gefangen sind.

Daher werden alle empfindenden Wesen in jedem der zehn Reiche von den Schranken ihres eigenen Reiches befreit werden und buddha-bodhi (Buddha-Bewusstsein) verwirklichen. Dies ist wie gefrorener Schnee, der auf einem hohen Berg schmilzt, wenn die Frühlingssonne auf ihn scheint. Folglich wird im Lotus-Sutra gesagt, dass dieser Dharma nicht von Gedanken und Unterscheidungen erfasst werden kann. Dies bedeutet, dass nur ein Buddha zusammen mit einem Buddha die Wahrheit des ganzen Dharma ergründen können.
Dieser Samadhi wurde vom Tathagata zum erwürdigen Mahakasyapa von Gesicht zu Gesicht übermittelt, achtundzwanzig Generationen hinweg bis zum großen Meister Bodhidharma in Indien. Ferner wurde er vertraut über einundfünfzig Generationen vom Buddha bis zu Eihei Dogen übermittelt. Dies ist der o-zanmai (Königssamadhi) der von Hand zu Hand durch die Buddhas und Patriarchen weitergegeben wurde.

Da dieser Samadhi nicht von unterscheidenden Gedanken erfasst werden kann, können ihn die Kommentatoren der Sutren oder anderer Schriften, die lediglich versuchen die Bedeutung der Worte zu interpretieren, nichteinmal im Traum ergründen - ganz gleich wie intelligent sie sind. Nur wenn wir in unserem täglichen Leben Zazen praktizieren, sind unsere Gedanken für die Wirklichkeit jenseits des Bereichs der Gedanken und Unterscheidungen offen. Wir erhellen einfach die Gedanken die von Augenblick zu Augenblick aufkommen und wieder gehen, und fabrizieren weder Anhaftung noch Ablehnung - weder Hass noch Liebe. Wie beim Tathagata wird das, was wir während Zazen tun, ausgedrückt als das Ausstrahlen des großen Lichtes, das Erhellen der ganzen Welt in den zehn Richtungen und das Befreien aller empfindenden Wesen vom Leiden.
Des weiteren ist unsere Praxis-Verwirklichung dieses Samadhi im Bereich der Ursache während der Tathagata, der in diesem Samadhi verweilt, im Bereich der Wirkung weilt. Im Bereich der Ursache verwirklichen wir die Wirkung, und im Bereich der Wirkung vervollständigt der Tathagata die Ursache.
Daher sind Ursache und Wirkung nicht zweierlei, und jenseits der Diskussion darüber, ob sie nun das Gleiche oder voneinander verschieden sind. Sie sind jenseits des Denkens und der Unterscheidung. Sie werden Buddhas Ursache und Buddhas Wirkung genannt. Dies ist es auch, was der Ausspruch "Anfang ist richtig, Ende ist richtig" bedeutet.

Daher ist unsere Praxis dieselbe wie der Samadhi des Tathagata. Der Samadhi des Tathagata ist nichts anderes als Zazen. Es gibt keinerlei Unterschied zwischen beiden. Nicht die kleinste Unterteilung in über- oder unterlegen, ist zwischen Zazen, und dem Samadhi des Tathagata möglich. Ein alter Meister sagte, "Der Dharma-Körper des Tathagata betritt meine eigene Natur, meine eigene Natur wird eins mit dem Tathagata. Die erste Stufe enthält vollständig alle Stufen der Bodhisattvas und Buddhas. Es ist weder Körper, Geist, noch Aktivität. In einem Augenblick sind achtzigtausend Dharma-Tore durchschritten - in einem Blinzeln vergehen die drei Kalpas." Dies bringt dies ebenfalls zum Ausdruck.

Nicht nur das Sitzen mit dem Gesicht zur Wand des großen Meisters Bodhidharma, auch das Zazen der Patriarchen aller Generationen ist in keiner Weise verschieden vom o-zanmai (Königssamadhi) des Tathagata. Wanshi Zenji drückte dies in seinem Zazenshin mit den Worten, "Zazen ist das wesentliche Tun eines jeden Buddhas, Das Tun des Wesentlichen eines jeden Patriarchen." aus. Eihei Dogen brachte es wie folgt zum Ausdruck:
"Das was direkt die ganze Welt übersteigt ist kekkafuza (sitzen im vollen Lotussitz). Es ist das, was am ehrwürdigsten ist im Haus der Buddhas und Patriarchen. Nur diese Übung transzendiert den Gipfel der Buddhas und Patriarchen."

Wie müssen verstehen, dass dies der Kern des Buddha-Weges und der unübertreffliche Samadhi ist, der endlos über alles hinaus geht. Aus diesem Grund verweilen alle Buddhas und Patriarchen in der Welt der zehn Richtungen, sowie alle Buddhas und Patriarchen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Zazen. Wir müssen verstehen, dass es keine andere Lehren oder Praktiken gibt, die Zazen überlegen sind. Dies ist die wesentliche Bedeutung der Praxis und Verwirklichung des zanmai-o-zanmai in Form des shobogenzo-nehanmyoshin, der jenseits des täuschenden Geistes ist und exakt von den Buddhas und Patriarchen weitergegeben wurde.


Frage:
Wenn wir das Licht ausstrahlen und unsere Augen für die Wirklichkeit, die jenseits des Denkens und des Nicht-Denkens ist, öffnen müssen - löschen wir dann dadurch die guten und schlechten Geisteszustände der drei Gifte aus? Erkläre dies bitte genau.

Antwort:
Es ist falsch zu denken, dass du dich vollständig von den drei giftigen Geisteszuständen befreien musst, da so etwas unmöglich ist. Du denkst auf diese Weise, weil du in der Leerheit stagnierst und am Zustand des Nicht-Denkens anhaftest. Wenn dem so ist, wirst du nie Buddhaschaft erreichen. Selbst wenn einer den Zustand des Nicht-Denkens erreicht, wird solch ein Praktizierender mit Hinayana-Gesinnung niemals die Buddhaschaft erreichen, solange er sein Bestreben nicht ändert.
Selbst wenn ein Nicht-Buddhistischer Übender für achtzig Kalpas ohne Farben und Formen bleibt, wird er letztendlich in die samsarischen Reiche der Dualität zurückfallen, da die Verdienste einer solchen Praxis beschränkt sind. Nur der Buddha-Weg ist grenzenlos, da er nicht von unseren Gedanken und Unterscheidungen geschaffen ist und außerhalb des täuschenden Geistes liegt. Der Ausdruck "ursprüngliches Gesicht" bedeutet das, was nicht künstlich geschaffen ist.

Die drei Gifte erscheinen in der Funktion des einen Geistes. Dieser eine Geist erschafft die drei guten Reiche wenn er von Gutem beeinflusst wird, und die drei schlechten Reiche, wenn er von Schlechtem beeinflusst wird. Gier erschafft das Reich der Wünsche, Wut erschafft das Reich der Nicht-Form. So wird die bedingte Welt und die Welt der empfindenden Wesen - in Form der sechs Reiche in denen wir transmigrieren, erschaffen. Sravakas und Pratyekabuddhas fürchten sich vor dieser Transmigration und versuchen die drei Gifte, die die grundlegende Ursache für die Transmigration darstellen, auszulöschen, um nicht in den drei Welten der Wünsche, Formen und Nicht-Formen wiedergeboren zu werden. Sie nennen dies das Ausscheiden aus Leben und Tod. Aber dies ist nicht dasselbe wie frei zu sein von Leben und Tod, es ist wie die Befreiung des Tathagata.
Der Weg der großen Bodhisattvas ist jedoch ein anderer. Die Grundlage der Transmigration ist nichts anderes als unser eigener Geist.

Des weiteren, wenn wir klar unseren Geist erhellen und realisieren, dass dieser Geist nichts anderes als ein Phantom ist, und dass wir den Geist nicht mit Hilfe von Gedanken und Unterscheidungen - mit Konzepten wie Existenz oder Nicht-Existenz, erfassen können, dann versuchen wir weder den Geist auszulöschen, noch ihn zu nähren. Stattdessen erhellen wir einfach den Geist - ohne Gedanken oder Unterscheidungen hinzuzufügen. Wenn wir unseren Geist einfach erhellen, ohne Gedanken und Unterscheidungen hinzuzufügen - haben die drei Gifte Gier, Hass und Verblendung ebenfalls die Neigung abzufallen - denn sie sind jenseits der Unterscheidung und unfassbar. Die drei giftigen Geisteszustände sind in keiner Weise verschieden vom ganzen Dharma-Körper des Tathagata.
Wenn wir durch und durch realisieren, dass die drei giftigen Geisteszustände nichts anderes als der ewige Dharma-Körper des Tathagata sind, wird uns klar, dass alle empfindenden Wesen, die in den sechs Reichen transmigrieren, ebenfalls die Natur des ewigen Dharma-Körpers haben und ihnen nichts fehlt. Da wir diese Wirklichkeit verstehen, erwecken wir Bodhi-Geist und geloben alle empfindenden Wesen zum ewigen Dharma-Körper des Tathagata zu führen. Dies ist das Vollbringen der Praxis-Verwirklichung eines Bodhisattvas.

Die dreifachen reinen Vorschriften, die von einem Bodhisattvas eingehalten werden müssen, sind das Vollbringen aller guten Taten, das Einhalten aller Gebote (keine schlechten Taten zu begehen) und dem Wohle aller lebenden Wesen zu dienen. Zu geloben alle guten Taten ohne Ausnahme zu vollbringen wird shozenbokai genannt. Der gierige Geist von gewöhnlichen Menschen wird durch diese Praxis umgewandelt und ändert sich. Zu geloben keine schlechten Taten zu begehen, wird shoritsugikai genannt. Der hasserfüllte Geist gewöhnlicher Menschen wird durch diese Übung umgewandelt und ändert sich. Zu geloben unzählige Wesen vom Leiden zu befreien, indem das Verdienst der Praxis des nicht-begehens von schlechten Taten und das Verdienst der Verwirklichung aller guten Taten, ohne Ausnahme, an die unzähligen Lebewesen weitergegeben wird, wird shoshujokai genannt. Der täuschende Geist gewöhnlicher Menschen wird verwandelt und ändert sich in dieser Übung. Als Bodhisattvas müssen wir mit der Praxis-Verwirklichung dieser drei reinen Gebote fortfahren, bis wir das absolute Bewusstsein verwirklichen. Sobald Buddhaschaft erlangt wurde, werden diese drei Gebote die drei Tugenden des Tathagata genannt - diese sind die Tugend der Weisheit, die jegliche Unwissenheit bricht und absolutes Bewusstsein verwirklicht, die Tugend die Täuschungen auszulöschen, die das absolute Nirvana verwirklicht und die Tugend des Mitgefühls, die alle empfindenden Wesen befreit. Diese drei werden auch die drei Buddha-Körper genannt. Alle diese Buddha-Körper stellen verschiedene Aspekte des ewigen Dharma-Körpers des Tathagata dar.

Daher erschafft der eine Geist alle verschiedenen Reiche, abhängig davon, wie dieser benutzt wird. Einige fallen in die drei schlechten Reiche, weil ihr Geist auf eine schlechte Weise wirkt. Einige steigen in die drei guten Reiche auf, weil ihr Geist auf gute Weise wirkt. Und einige versuchen aus all diesen Reichen auszubrechen, weil sie diese hassen, und erreichen den Zustand des Nicht-Denkens. Schliesslich gibt es einige, die ihren Geist und alle Reiche, wo auch immer sie, sind für die Praxis der drei reinen Gebote benutzen. Alle von ihnen haben verschiedene Namen, da die Arten wie sie den einen Geist benutzen voneinander verschieden sind.

Die Sravakas und Pratyekabuddhas, die die Wirklichkeit nicht verstehen, fürchten sich vor den drei Giften und den drei Welten und haften am Zustand des Nicht-Denkens. Genau aus diesem Grund wenden sie sich von der Praxis der drei reinen Gebote und den drei vollkommenen Tugenden ab und verlieren die Gelegenheit Buddhaschaft zu verwirklichen.
Zum Beispiel werden Dattelpflaumen sehr süß, wenn diese getrocknet sind. Wenn wir vor dem Trocknen versuchen, den Saft auszupressen, werden die Dattelpflaumen niemals süß. Daher wird der Saft der drei Gifte die Süßigkeit der drei Tugenden. Die Sravakas und Pratyekabuddhas können die Süßigkeit der drei Tugenden nicht verwirklichen, weil sie versuchen den Saft aus den drei Giften auszupressen.

An diesem Punkt müssen wir vollständig verstehen, dass Körper, Geist und die Welt (Zeit und Raum) eins sind. Nur wenn der täuschende Geist abgefallen ist werden Körper, Geist und die Welt nicht getrennt voneinander sein. Im Grunde gibt es nur eine universale Dharma-Welt, in der alle Dinge einander durchdringen. Es gibt eine alte Redensart die dies zum Ausdruck bringt, "Selbst die kleinste Vorstellung von irgendetwas fügt etwas zur Wirklichkeit hinzu."

Diese Welt besteht aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum-Äther. Nicht nur die Welt, sondern auch der menschliche Körper besteht aus diesen fünf Elementen. Die Hitze des Körpers entspricht dem Feuer, die Feuchtigkeit dem Wasser, die Knochen der Erde, die Bewegung dem Wind und all diese Elemente beruhen auf dem Raum. Wir können dasselbe über den Geist sagen. Hier entspricht Hass dem Feuer, Gier dem Wasser, Unwissen der Erde, Vergnügen dem Wind und das spurlose Erscheinen und Vergehen all dieser Objekte dem Raum. Wenn der eine Geist auf Objekte trifft, wird der eine Geist zu den fünf Elementen unseres Geistes, da der täuschende Geist nicht abfällt. Unser Körper, bestehend aus diesen fünf Elementen, wird erzeugt, weil wir von dem Bewusstsein, das aus den fünf Elementen besteht, herumgezogen werden. Die Welt dieser Elemente wird erzeugt, weil Körper und Geist auf diese Weise erzeugt werden. Es ist unser getäuschter Geist der sie hervorbringt.
Aus diesem Grund sagte Rinzai, "Zweifel in deinem Geist wird zu Erde und du wirst davon blockiert. Wunsch in deinem Geist wird zu Wasser und du wirst darin ertrinken. Hass in deinem Geist wird zu Feuer und du wirst davon verbrannt. Vergnügen in deinem Geist wird zu Wind und du wirst davon weggetragen."

Wenn du daher das ursprüngliche Licht ausstrahlst, das jenseits der Dimension der Gedanken ist, und den täuschenden Geist erhellst, werden Körper, Geist und die Welt zum Vairocana Tathagata. Dies ist die Bedeutung des Ausspruchs, "Wenn das Licht still das ganze Universum erleuchtet, sind alle Wesen eine Familie."
Trotzdem, wenn wir die verschiedenen Arten der Unterscheidung unseres getäuschten Geistes zur Wirklichkeit hinzufügen, neigen wir dazu zu denken, dass der Körper getrennt vom Geist ist und fahren damit fort ein Ego zu erschaffen, so wie es in den Nicht-Buddhistischen Philosophien der Fall ist. Oder wenn wir glauben, dass unser Körper getrennt von der Welt existiert, könnten wir dem Weg der Sravakas und Pratyekabuddhas verfallen. Des weiteren könnten wir annehmen, dass der Geist groß und die Welt klein ist. Oder wir fallen in eine der zweiundsechzig einseitigen Sichten, die besagen, dass unser Ego groß und die Materie klein ist. Oder wir könnten denken, dass unser Körper geboren wird und dann stirbt. Oder das der Körper erscheint und verschwindet aber dass unser Geist ewig bleibt, oder dass unser Körper verschwindet, aber die Welt nach unserem Tod bestehen bleibt.

All diese Sichten entstehen, weil wir nicht verstehen, dass Körper, Geist und die Welt gleichzeitig geboren werden. Wenn wir sterben verschwinden Körper, Geist und die Welt gleichzeitig. Wenn wir Leben und Tod transzendieren, transzendieren Körper, Geist und die Welt, Leben und Tod gemeinsam. Wenn wir das Prinzip von Wachstum und Verfall bekräftigen, und diesem folgen, dann folgen Körper, Geist und die Welt diesem Prinzip gemeinsam und bekräftigen es.
Ein Mönch fragte einmal Joshu, "Es wird gesagt, dass selbst, wenn das ganze Universum vollständig zerfällt, diese Natur nicht vergehen wird. Was ist diese unzerstörbare Natur?"
Joshu antwortete, "Es ist die vier Elemente und die fünf Aggregate."
Der Mönch fragte weiter, "Aber diese sind unbeständig. Was ist die unzerstörbare Natur?"
Joshu antwortete wieder, "Die vier Elemente und die fünf Aggregate."

Ein Mönch fragte Daizui, "Es wird gesagt, dass wenn Kalpagni eintritt, die dreitausend Welten zerfallen. Wird die Buddha-Natur auch zerfallen?"
Daizui sagte, "Ja, wird sie."
Der Mönch fragte Daizui nochmals, "Bedeutet dies, dass die Buddha-Natur ebenfalls dem Prinzip von Entstehen und Vergehen folgt?"
Daizui sagte, "Ja, tut sie!"
Später einmal stellte ein anderer Mönch Shuzanshu dieselbe Frage. Dieser antwortete, "Nein, die Buddha-Natur wird niemals zerfallen."
Der Mönch fragte weiter, "Wieso wird sie nicht zerfallen?"
Shuzanshu antwortete, "Weil die Buddha-Natur nicht von den Tausend-Welten getrennt ist."
Diese drei Meister zeigen uns, dass Körper, Geist und die Welt eins sind. Wenn wir über die Vernichtung sprechen, zerfallen Körper, Geist und die Welt gleichzeitig. Es gibt kein früher oder später. Wenn wir über die Nicht-Vernichtung sprechen, zerfallen weder Körper, Geist noch die Welt. Wenn wir daher sagen, dass alles dem Prinzip von Erscheinen und Vergehen folgt, folgen Körper, Geist und die Welt gemeinsam diesem Prinzip. Das ursprüngliche Gesicht von Körper, Geist und der Welt ist jenseits von Definitionen wie vergehen, nicht-vergehen, folgen und transzendieren, entstehen und vergehen etc.

Aus diesem Grund gibt es, wenn alles klar vom Licht des Buddha-Bewusstseins jenseits der Gedanken und Unterscheidungen erhellt wird - und wenn Körper, Geist und die Welt nicht als voneinander getrennt betrachtet werden, keine Unterscheidung zwischen innen und außen (Subjekt und Objekt). Da ist keinerlei Trennung zwischen Körper, Geist und der Welt. Es ist wie Luft die mit Luft oder Wasser das mit Wasser vermischt wird.
Es gibt eine alte Redensart die das ebenfalls ausdrückt, "Wenn einer wirklich den Geist erfasst, gibt es keinen Zoll zusätzliches Land mehr auf der großen Erde." Wir können genauso sagen, dass wenn einer wirklich die Welt erfasst, es keinen Zoll des Denkens mehr in unserem Geist gibt. Deshalb sagte Shakyamuni, als er den Weg verwirklichte, "Die ganze Erde und alle Lebewesen verwirklichen zusammen die Wahrheit." Dies bringt auch die Wirklichkeit zum Ausdruck, dass Körper, Geist und die Welt eins sind.

Zudem sollten wir an das Prinzip von Ursache und Wirkung glauben. Ursache ist der Same, Wirkung die Frucht. Wir können keine Aubergine-Früchte ernten, wenn wir Kürbis-Samen pflanzen. Gute Ursachen haben immer gut Auswirkungen zur Folge, schlechte Ursachen dagegen schlechte Auswirkungen. Da gibt es keine Ausnahme. Dies ist ein wesentlicher Punkt, der den Buddha-Dharma von anderen Philosophien unterscheidet, da nur der Tathagata das Prinzip von Ursache und Wirkung klar erkannt hat. Andere Philosophen wussten nichts von Ursache und Wirkung. Die Lehren des Konfuzius und des Lao-Tse erwähnen nicht das Prinzip von Ursache und Wirkung. Sie lehrten dieses Prinzip nur in Bezug auf die Welt der gewöhnlichen Menschen. Ursachen und Wirkungen kommen jedoch nicht von Außen, sie werden alle durch unsere eigenen Handlungen hervorgebracht. Trotzdem glauben die Menschen, die sich nicht über das Prinzip von Ursache und Wirkung bewusst sind, nicht den Wirkungen - selbst wenn sie die Ursachen sehen.

Wenn du zum Beispiel in ein Land gehst, in dem es keine Mohnblumen gibt - den Menschen dort einen Mohnblumensamen zeigst, und ihnen mitteilst, dass dieser kleine Same große Blumen mit hellen, goldenen Farben und mehr als tausend neuen Samen enhält, wird dir keiner glauben. Es ist auch ganz normal dies anzuzweifeln, da selbst wenn du den Samen öffnen würdest keine Blumen oder Samen zu sehen wären.
Menschen, die in einem Land leben in dem es viele Mohnblumen gibt und die es gewohnt sind jedes Jahr zu sehen, dass ein Same große Blumen mit vielen neue Samen hervorbringt, werden jedoch diejenigen auslachen und für dumm halten, die dies nicht glauben. Nicht-Buddhistische Philosophen in Indien oder Konfuzius und Lao-Tse in China, die das Prinzip von Ursache und Wirkung nicht verstanden haben, sind genauso wie die Menschen die nicht glauben, dass in einem kleinen Mohnblumensamen große Mohnblumen enthalten sind. Der Grund warum Buddha das Prinzip von Ursache und Wirkung lehrte ist, dass er die großen Blumen und kleinen Samen in einem Samen gesehen hat.
Der Buddha lehrte uns wegen des Prinzips von Ursache und Wirkung keine schlechten Taten zu begehen. Er ermahnte uns von schlechten Taten Abstand zu nehmen, weil Schlechtes zu tun schlechte Wirkungen und somit Leid zur Folge hat. Der Buddha ermutigte uns alles Gute zu tun, da wir, wenn wir Gutes tun, an einem guten Ort wiedergeboren und ein angenehmes Leben haben werden.

Selbst wenn die Ursache nur so winzig wie ein Mohnblumensamen sein mag, wird sich die Wirkung als große Frucht manifestieren. Und die schlechte Ursache einer kleinen Tat wird eine große Auswirkung des Leidens zur Folge haben. Daher müssen wir sorgfältig davon Abstand nehmen auch nur eine kleine schlechte Tat zu begehen. Eine gute Ursache einer kleinen Tat wird große Auswirkungen der Freude zur Folge haben. Daher müssen wir uns dazu ermutigen gute Taten zu begehen.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir Hass gegenüber anderen Menschen zeigen sollen die schlechtes tun oder ihnen unseren Rücken zukehren sollen. Wenn wir sie hassen und vor ihnen weglaufen, können wir die Menschen in den drei schlechten Reichen der Höllenbewohner, hungrigen Geister und Tiere nicht retten. Wir müssen verstehen, dass Schlechtes wie eine Blase oder ein Schatten ohne Substanz ist, und wir daher dieses nicht mit Gedanken oder Unterscheidungen beurteilen können. Daher ist es nicht notwendig Schlechtes zu hassen, noch weniger es zu lieben. Dies wird "Abstand nehmen von schlechten Taten" genannt.

Auch Gutes ist wie ein Traum oder ein Phantom und kann nicht von Gedanken oder Unterscheidungen erfasst werden. Wir sollten daher auch das Gute nicht sonderlich mögen und nicht daran anhaften. Nicht einmal mögen und anhaften sollen wir an Gutem, noch viel weniger sollten wir es hassen. Dies wird "alles Gute tun" genannt. Wir müssen frei sein von jeglicher Unterscheidung zwischen Gutem und Schlechtem, Abstand nehmen von schlechten Taten und uns selbst ermutigen alles Gute zu tun.
Dies zu verstehen und von schlechten Taten Abstand zu nehmen ist shoritsugikai (das zweite der drei reinen Bodhisattva-Gelübde). Dieses ist die Ursache des Tathagatas Tugend alle Täuschungen zu durchbrechen und die Ursache des Dharma-Körpers. Alle Gute tun ist shozenbokai (das erste der drei reinen Bodhisattva-Gelübde). Dies ist die Ursache des Lohn-Körpers (sambhogakaya). Wenn wir die Verdienste des Abstandnehmens von schlechten Taten und des Tuns aller guten Taten an alle lebenden Wesen weitergeben, ist diese Weitergabe shoshujokai (das Dritte der drei reinen Bodhisattva-Gelübde). Dieses ist die Ursache des Tathagatas Tugend des Mitgefühls und die Ursache des Entsprechungs-Körpers (nirmanakaya). Wenn wir diese drei reinen Gelübde praktizieren, ohne am täuschenden Geist anzuhaften, sind die Drei nicht drei - eins ist nicht eins. Eine Ursache ist keine Ursache, eine Wirkung ist keine Wirkung. Da ist kein Vorher und kein Danach. Nur Buddhas Weisheit kann dies erkennen. Wir müssen frei sein von unseren Gedanken und Unterscheidungen.

Auch müssen wir das Prinzip der drei Karma-Zeiten, als die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung verstehen. Die erste der drei Karma-Zeiten ist jungengo, die zweite junjigo und die dritte jungogo. Jungengo bedeutet, die Auswirkungen von Ursachen, die in diesem Leben geschaffen wurden - sowohl gute als auch schlechte, in diesem Leben zu erhalten. Das ist wie Gurken und Aubergine zu pflanzen und sie im selben Jahr zu ernten. Junjigo bedeutet, die Auswirkungen von Ursachen, die in diesem Leben geschaffen wurden, im nächsten Leben zu erhalten. Das ist wie in diesem Jahr Weizen zu pflanzen und diesen im kommenden Jahr zu ernten. Jungogo bedeutet die Auswirkungen von Ursachen, die in diesem Leben geschaffen wurden, im dritten, vierten, hundersten oder tausendsten Leben zu erhalten. Das ist wie einen Pfirsich-, Kastanien-, Birnen- oder einen Dattelpflaumenbaum zu pflanzen und die Früchte viele Jahre später zu ernten. Aus diesem Grund können dir, selbst wenn du in diesem Leben Gutes tust, schlechte Dinge widerfahren. Zum Beispiel wurde Konfuzius zum Stillstand gebracht, weil er von der Armee der Chin und Sai umzingelt wurde. Gankai, ein Schüler von Konfuzius, starb jung. Prinz Hikan wurde an der Brust verletzt. Dies passierte, weil die Auswirkungen von Ursachen die in diesem Leben geschaffen wurden, sich nicht manifestieren konnten, solange die Ursachen die in der Vergangenheit geschaffen wurden nicht aufgebraucht waren.
Nachdem die Auswirkungen von schlechtem, in der Vergangenheit angesammeltem Karma aufgebraucht sind, werden sich die Auswirkungen des guten Karmas des gegenwärtigen Lebens verwirklichen.

Es können uns auch gute Dinge widerfahren, obwohl wir im gegenwärtigen Leben schlechte Taten begehen. Der erste Kaiser der Shin wurde trotz seiner schlechten Taten zum Kaiser, und der berühmte Dieb Toseki genoß ein langes Leben. Dies geschah, weil die schlechten Auswirkungen sich nicht manifestieren konnten, solange die Auswirkungen der guten Ursachen aus der Vergangenheit nicht aufgebraucht waren. Nachdem die guten Auswirkungen, geschaffen durch gute Taten in der Vergangenheit, aufgebraucht sind, müssen wir ganz gewiss unter den schlechten Auswirkungen leiden. Gute oder schlechte Ursachen in vorhergehenden Leben wirken sich in diesem Leben aus, gute oder schlechte Ursachen in diesem Leben werden sich in einem späteren Leben auswirken. Dies wird junjigo genannt - wir empfangen die guten Auswirkungen in diesem Leben von einer guten Ursache in diesem Leben. So stieg zum Beispiel Daishun von seinem Bürger-Status zum Thron auf. Wir könnten auch eine schlechte Auswirkung in diesem Leben durch eine schlechte Ursache in diesem Leben empfangen. Der Kaiser Ketsu der Ka-Dynastie und der Kaiser Chu der In-Dynastie, haben zum Beispiel ihre Positionen durch schlechte Taten verloren. Diese Dinge passierten vor unseren Augen. Wir sollen dies daher nicht in Frage stellen. Dies wird jungengo genannt.

Sowohl gute als auch schlechte Ursachen haben ihre Grenzen - daher empfangen wir auch nur begrenzte Auswirkungen. Hölle und Himmel haben auch Grenzen. Dem ist so, weil diese Handlungen vom beschränkten, täuschenden Geist verursacht werden. Wenn du Buddhas Weisheit ausstrahlst, von schlechten Taten Abstand nimmst, Gutes ohne Gedanken und Unterscheidungen austrägst, mit deiner Natur in Einklang bist und über die Grenzen hinaus siehst, werden sich all deine Taten in Form des absoluten Bewusstseins und vollständiger, vollkommener Tugend verwirklichen.

Daher ist das Ausüben der sechs Paramitas und das Austragen unendlich guter Taten jungogo, und wenn Buddhaschaft verwirklicht wird, werden sich die sechs Paramitas alle gleichzeitig manifestieren. Aus diesem Grund müssen wir tiefen Glauben in das Prinzip von Ursache und Wirkung haben.