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Komyozo Zanmai

(24. Dezember 2004)

Komyozo Zanmai
von Koun Ejo (1198-1280)


Ich empfinde eine große Achtung aus der Tiefe meines Mitgefühls für euch, die ihr mit der Praxis des Zazen in dem Geisteszustand fortfahrt, den ich nun beschreiben werde:

Ohne etwas zu ergreifen, was es auch sei und ohne ein einziges Ziel zu haben.
Ohne beeinflusst zu sein von eurer persönlichen Intelligenz.
Ohne Selbstgefälligkeit zu zeigen in bezug auf die Erfahrung, die ihr im Dojo erworben habt.

Stürzt euch vollständig in Komyo zo, mit der gesamten Energie eures Körper und eures Geistes, ohne euch umzuwenden, um die Zeit zu betrachten.

Versucht, nicht auf Mayoi, die illusorischen Erscheinungen zu hören.
Hasst nicht die Gedanken, die auftauchen, liebt sie auch nicht und vor allem: Unterhaltet sie nicht.

Auf alle Fälle, wie dem auch sei, müsst ihr das große Sitzen praktizieren, hier und jetzt. Wenn ihr einen Gedanken nicht unterhaltet, so wird er von selbst nicht wiederkommen.

Wenn ihr euch der Ausatmung überlasst und euch von der Einatmung anfüllen lasst, in einem harmonischen Kommen und Gehen, dann bleibt nichts mehr als ein Zafu unter dem leeren Himmel, das Gewicht einer Flamme.

Wenn ihr nichts von dem erwartet, was ihr macht und es ablehnt etwas zu erwägen, was es auch sei, könnt ihr allein durch Zazen alles abschneiden.

Sogar wenn die 84000 Bonnos kommen und gehen, wenn ihr Ihnen keine Beachtung schenkt und sie sich ihnen selbst überlasst, genau in diesem Moment wird aus jedem von ihnen, aus einem nach dem anderen und aus allen gemeinsam, das wunderbare Geheimnis des Speichers der großen Weisheit zum Vorschein kommen.

Es gibt nicht nur das Komyo während Zazen. Es gibt auch jenes, das euch Schritt für Schritt, Handlung für Handlung, zunehmend einsehen lässt, dass jede Erscheinungsform augenblicklich, automatisch und unabhängig von eurer eigenen Intelligenz und von euren persönlichen Gedanken verwirklicht sein kann.

Derartig ist die echte und authentische Bestätigung, die existiert, ohne die Offenbarung von Komyo zu stören.

Das ist die spirituelle Macht des Nicht-Handelns durch das Licht, das aus sich selbst erstrahlt.
Dieses Komyo ist ursprünglich Nicht-Substanz, Nicht-Existenz.
Darum, selbst wenn viele Buddhas es in dieser Welt verwirklichen, ist es trotzdem nicht von dieser Welt.

Sind sie im Nirwana, sind sie es dennoch auch nicht.
Zum Zeitpunkt eurer Geburt wurde Komyo nicht erschaffen.
In der Stunde eures Todes verschwindet es nicht.

Vom Standpunkt des Buddha-Zustandes aus betrachtet, vermindert es sich weder noch vermehrt es sich.
Ebenso wie ihr, wenn ihr Illusionen oder Zweifel habt, nicht die richtige Frage stellen könnt, so könnt ihr, wenn ihr das Satori habt, sie nicht ausdrücken.

Augenblick für Augenblick, erwägt nichts mit eurem persönlichen Bewusstsein. Tag und Nacht müsst ihr die Stille und den großen Frieden der Toten haben.

Denkt von euch selbst aus an nichts. Auf diese Art und Weise die Ein- und Ausatmung ausübend, wird euer tiefes Wesen und auch eure empfindende Natur unbewusst und natürlich Nicht-Wissen, Nicht-Verstehen.

Alles wird infolgedessen auf natürliche Weise ruhig werden, Ausstrahlung von Komyo, in der Einheit von Geist und Körper.

Darum sollte es schnell antworten, wenn wir es rufen. Es ist ein und dasselbe Komyo, das die Menschen des Satori und die der Illusionen im ganzen harmonisiert.

Folglich sollte euch, selbst wenn ihr euch in Bewegung setzt, diese Bewegung nicht stören.
Und so können der Wald, die Blumen, die Grashalme, die Tiere, die Menschen, alle Erscheinungsformen, ob sie lang, kurz, rechteckig oder rund sind, augenblicklich und automatisch verwirklicht sein, unabhängig von eurer eigenen Intelligenz und dem persönlichen Wirken eurer Gedanken.

Haftet weder an der Kleidung, noch an der Nahrung, noch an eurem Zuhause. Unterliegt nicht dem sinnlichen Verlangen oder dem Haften an der Liebe – das ist tierisches Verhalten.

Es ist unnütz die anderen über Komyo zu befragen, denn ihr Komyo kann euch in keiner Weise von Nutzen sein.

Dieses Samadhi ist ursprünglich das heilige Dojo, ähnlich dem Ozean aller Buddhas.

Es ist also der größte und verehrenswerteste von allen Sitzen, unmittelbar weitergegeben von Buddha zu Buddha durch die große universelle Praxis. Da ihr selbst jetzt die Schüler Buddhas seid, müsst ihr ruhig Zazen auf seinem Sitz machen.

Setzt euch nicht auf das höllische Zafu, auf das Zafu der Gaki, der Tiere oder Asura, und auch nicht auf das der Shomon oder der Engaku. Übt nichts weiter als Shikantaza.

Vergeudet nicht eure Zeit. Das ist es, was man den authentischen Geist des Dojo und das wahre Komyo zo samadhi nennt, das wunderbare und leuchtende Satori.

Ich habe diesen Text für meine Zazen-Gefährten geschrieben, damit sie keine irrigen Ansichten haben, ebenso sehr um mich selbst zu vervollkommnen, wie die anderen zu erziehen.