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Shinjinmei

(24. Dezember 2004)

Shinjimei
von Meister Sosan (gest. 606), Übersetzung nach T.Deshimaru


Es ist nicht schwer, den Weg zu durchdringen, doch man muss frei sein von Liebe und Haß, von Neigung und Abneigung.

Es genügt, frei zu sein von Liebe und Haß, damit die Einsicht sich zeigt, unvermittelt klar, wie das Licht des Tages in einer Höhle.

Doch entsteht im Geist eine Eigentümlichkeit auch nur so winzig wie ein Staubteilchen: Sogleich trennt unendliche Entfernung Himmel und Erde.

Wenn wir das Satori hier und jetzt verwirklichen, darf keine Vorstellung von richtig oder falsch in unseren Geist mehr eindringen.

Der Kampf in unserem Bewusstsein zwischen richtig und falsch führt zur Krankheit des Geistes.

Gelingt es uns nicht, in die Quelle der Dinge einzudringen, wird sich unser Geist vergeblich erschöpfen.

Der Weg ist rund, friedlich und breit, wie der unendliche Kosmos, vollkommen, ohne die geringste Vorstellung von Beharren oder Zerbrechen.

Wahrlich, so wir ergreifen oder zurückweisen wollen, sind wir nicht frei.

Lauft nicht den Erscheinungsformen nach, und verweilt auch nicht in der Leerheit.

Wenn unser Geist Ruhe findet, verschwindet er von selbst.

Halten wir alle Bewegung an, so wird unser Geist ruhig, und diese Ruhe bewirkt wieder Bewegung.

Wenn wir an den beiden äußeren Enden bleiben, wie können wir dann das Ganze verstehen?

Konzentriert man sich nicht auf das Ursprüngliche, gehen die Vorzüge der beiden äußeren Enden verloren.

Wenn wir nur die Existenz anerkennen, fallen wir in diese Existenz. Wenn wir nur Ku folgen, wenden wir uns gegen Ku.

Selbst wenn unsere Worte genau und unsere Gedanken richtig sind, entsprechen sie doch nicht der Wahrheit.

Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. Wer Sprache und Denken nicht zurücklassen kann, wie kann der den Weg verstehen?

Wenn wir zum Urgrund zurückkehren, berühren wir das Wesen der Dinge. Folgen wir dem Widerschein, verlieren wir das Ursprüngliche.

Wenn wir in alle Richtungen erleuchtet sind, und sei es nur für einen einzigen Augenblick, wäre das mehr wert als das gewöhnliche Ku.

Die Veränderung des gewöhnlichen ku geht einher mit dem Auftreten der Illusionen.

Ihr braucht die Wahrheit nicht zu suchen, wenn ihr nur keinen vorgefassten Urteilen und Meinungen anhängt.

Verharrt nicht in den beiden Vorurteilen, und sucht nicht den Dualismus.

Bleibt uns die geringste Vorstellung von richtig und falsch, wird unser Geist in der Verwirrung zugrunde gehen.

Kein Irrtum, kein Dharma. Kein Dharma, kein Geist.

Das Subjekt verschwindet, wenn es dem Objekt folgt. Das Objekt versinkt, wenn es dem Subjekt folgt.

Das Objekt verwirklicht sich als wahres Objekt durch seine Abhängigkeit vom Subjekt. Das Subjekt verwirklicht sich als wahres Subjekt durch seine Abhängigkeit vom Objekt.

Wollt ihr Subjekt und Objekt verstehen, müsst ihr begreifen, daß beide letztendlich Ku sind.

Ein Ku, das mit dem einem und mit dem anderen identisch ist, schließt alle Erscheinungsformen in sich ein.

Unterscheidet nicht zwischen dem Feinen und dem Groben. Es gibt keine Seite, auf die man sich schlagen kann.

Der große Weg ist in seinem Wesen großmütig. Er ist weder schwierig noch leicht.

Eigenes Denken führt zum Zweifel. Schnelles Streben bewirkt Stockung.

Wenn wir an unserem kleinlichen Geist haften und alles Maß verlieren, werden wir auf dem Weg des Irrtum verschlagen.

Wenn wir ihn freimütig ausdrücken, sind wir natürlich. In unserem Körper gibt es keinen Ort, zu dem man gehen oder verweilen könnte.

Der Natur vertrauend können wir in Harmonie mit dem Weg sein.

Kenhen widersetzt sich der Wahrheit, Konchin entflieht ihr.

Ein schwacher Geist ist zerstört. Wozu also parteiisch sein?

Wollen wir das einzige und höchste Gefährt nehmen, dürfen wir die sechs Befleckungen nicht nicht hassen.

Wenn wir die sechs Befleckungen nicht hassen, können wir den Zustand des wahren Buddha erreichen.

Der Weise ist nichthandelnd, der Törichte liebt und haftet.

Im Dharma gibt es keine Unterscheidungen, doch der Unwissende bindet sich selbst.

Sich des Geistes mit dem Geist zu bedienen, bedeutet das große Verwirrung oder Harmonie?

Im Zweifel erheben sich Kenhen und Konchin. Im Satori-Bewusstsein gibt es weder Liebe noch Haß.

In Hinsicht auf die zwei Seiten aller Dinge, wollen wir viel zu viel bedenken.

Wie ein Traum, ein Schatten, eine Blume der Leerheit ist unser Leben. Warum sollten wir leiden um uns diese Trugbildes zu bemächtigen?

Gewinn und Verlust, richtig und falsch, ich bitte euch lasst ab davon.

Wenn unsere Augen nicht schlafen, lösen sich alle Träume auf.

Ist der Geist nicht den Unterscheidungen unterworfen, werden alle Daseinsformen des Kosmos Einheit.

Verwirklicht unser Körper in tiefer Weise die Einheit, können wir augenblicklich alle Verkettungen abschneiden.

Betrachten wir alle Daseinsformen mit Gleichmut, kehren wir zurück zu unserer ursprünglichen Natur.

Ergründen wir dies aufmerksam, können wir nichts vergleichen.

Halten wir die Bewegung an, gibt es keine Bewegung mehr. Bewegen wir das Ruhende gibt es kein Ruhendes mehr.

Da die Zwei nicht möglich ist, ist es auch die Eins nicht.

Letztendlich und im Grunde gibt es weder Vorschrift noch Regeln.

Ist der Geist mit dem Geist im Einklang, verschwinden die Samen und die Spuren der Handlungen.

Wenn es den Argwohn des Fuchses nicht mehr gibt, lösen sich die Leidenschaften restlos auf, und plötzlich erscheint der Glaube.

Da alles unbeständig ist, bleibt keinerlei Spur zurück.

Sein eigene Inneres mit dem Licht der Leerheit zu beleuchten, macht den Gebrauch des Denkens überflüssig.

Es ist sehr schwierig über Hishiryo Erwägungen anzustellen.

In der kosmischen Welt der Wirklichkeit so wie sie ist, gibt es weder Wesenheit des Ego noch sonstige Unterschiede.

Wenn ihr die Eins verstehen wollt, ist dies nur in der Nicht-Zwei möglich.

Da dies Nicht-Zwei ist, sind alle Dinge ähnlich, gleich, und dulden alle Widersprüche.

Der Unterweisung durch die Quelle gehen alle Weisen der Menschheit entgegen.

Die Quelle des Ursprungs ist jenseits von Raum und Zeit. Ein Augenblick des Bewusstseins wird zu zehntausend Jahren.

Weder Dasein noch Nicht-Dasein überall vor unseren Augen.

Das Kleinste ist identisch mit dem Größten. Wir müssen alle Grenzen zwischen den verschiedenen Orten auslöschen.

Das Größte ist gleich dem Kleinsten. Wir können die Grenzen der Orte nicht sehen.

Das Dasein selbst ist das Nicht-Dasein. Das Nicht-Dasein selbst ist das Dasein.

Wenn dies nicht so ist, dürft ihr es nicht nur beschützen.

Das Eine selbst ist alle Dinge, und alle Dinge selbst sind das Eins.

Wenn dies so ist, wozu sich noch Gedanken machen über das Nicht-Endliche?

Der Geist des Glaubens ist Nicht-Zwei, Nicht-Zwei ist der Geist des Glaubens.

Schliesslich werden die Techniken der Sprache restlos zerbrechen, und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden nicht mehr begrenzt sei.